Wer von euch ist denn der Mann?

Mal ein vermutlich etwas kürzerer Artikel über eine Frage, über die ich die letzten Tage nachdenken musste. Ich wurde das zwar noch nie gefragt, weiß aber, dass andere lesbische Paare so etwas gefragt werden. Und umgekehrt schwule Paare. Ich habe mich dann so gefragt, was denn der Hintergedanke dabei ist. Das Paar ist ja offensichtlich gleichgeschlechtlich, also warum Frage ich dann nach dem vermeintlich „fehlenden“ Geschlecht? Warum sollte das eine:r übernehmen?

Geht es hier doch wieder um Rollenbilder?

Und dann kam mir so der Gedanke, wenn also die Person davon ausgeht, dass es immer einen „Mann“ und eine „Frau“ in einer Beziehung geben muss, geht es hier dann doch wieder um Rollenbilder? Also, geht es gar nicht um das Geschlecht, sondern eher um die Eigenschaften, die damit verbunden werden.

Beim Mann denkt man vielleicht eher so ans Geld verdienen, das Familienoberhaupt, er trifft die wichtigen Entscheidungen und sowas. Er hat es auf jeden Fall nicht so mit Emotionen. Die Frau ist die Fürsorgliche, sie kümmert sich um alles und ist das Organisationstalent im Hintergrund. Die Liste ist sicher unendlich, was die vermeintlich männlichen und weiblichen Eigenschaften sind.

Und selbst wenn es dann um eine homosexuelle Beziehung geht, muss es doch diese klare Rollenverteilung geben, oder nicht? So scheint es zumindest in manchen Köpfen zu sein. Aber das ist natürlich kompletter Unsinn. Ich habe auch mal irgendwo gelesen, dass in homosexuellen Beziehungen die Partner:innen häufiger gleichberechtigt sind, da es eben keine vorgefertigten Rollen gibt.

Dann kam mir noch eine Frage:

Was sagt das über die Vorstellung von Hetero-Beziehungen?

Wenn also die Person so von Beziehungen denkt, hat sie dann nicht auch eine vordefinierte Meinung über eine heterosexuelle Beziehung? Muss es da dann nicht auch eine klare Rollenverteilung geben? Und diese Rollenverteilung hat ja dann wiederum auch mit den vielen Klischees über Männer und Frauen zu tun, die aber halt größtenteils falsch oder zumindest anerzogen und nicht angeboren sind.

Ich denke, jede:r kann wundervolle Dinge in eine Beziehungen einbringen. Das Denken in „männlichen“ und „weiblichen“ Eigenschaften ist dabei überholt. Manche Beziehungen funktionieren in der klassischen Rollenverteilung. Und das ist gut so. Wenn es so zu beiden passt, warum nicht? Wenn aber nicht, dann ist jede andere Form genauso gut.

Was meinst du dazu?

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