Schubladendenken: Fluch oder Segen?

Dies ist mal ein Artikel in eigener Sache zum Thema „Schubladendenken“. Aber fangen wir vorne an: Ich habe ja auch so einen kleinen Monk in mir. (Falls ihr ihn nicht kennt: Monk ist eine Serie über einen neurotischen Privatdetektiv, bei dem ALLES eine Struktur braucht und immer auf seinem Platz sein muss) Bei mir äußert sich das etwa darin, dass ich fast zwanghaft darüber nachdenke, welche Kategorien ich für meine Blogartikel anlegen soll. Diese sollen ja dem/der Leser:in helfen, die interessanten Artikel zu finden. Aber wie soll das gehen, wenn ich über so viele verschiedenen Themen schreibe?

Beispiel: „Wissenswertes“ war dafür gedacht, dass ich über spannende Theorien berichte. Aber wenn ich jetzt meine letzten Artikel über Männer und Frauen nachdenke, dann sind die schon wissenschaftlich. Aber es geht auch um Rollenbilder und dann bin ich schnell bei „queer“. Sollte ich dann also beide Kategorien wählen?

Beispiel 2: Ich habe vor, mehr über kognitive Verzerrungen wie den Pygmalion Effekt zu schreiben. Macht es dann Sinn, die Kategorie aufzuteilen und noch eine für „Psychologie“ aufzumachen? Habe ich dann nicht zu viele Kategorien? Oder sind meine gerade zu groß?

Interessant, und worauf willst du hinaus?

Ich erzähle das alles, weil man die Kategorien auch als Schubladen sehen kann. Meine Blogartikel sind alles, was wir alle so wahrnehmen. Die Analogie heißt dann: ich versuche zwanghaft meine Wahrnehmungen in Schubladen einzuteilen. Und das tun wir alle tagtäglich. Einfach weil wir die Komplexität um uns herum sonst nicht ertragen. Wir brauchen Struktur, da unser Gehirn nur einen Bruchteil unserer Sinneswahrnehmungen wirklich verarbeiten kann. Es bilden sich Abkürzungen und Schubladen, die das Gehirn unbewusst einfach für die Datenverarbeitung nutzt (ich werde dazu noch Artikel schreiben). Also in diesem Sinne ist das Schubladendenken tatsächlich ein Segen. Wir würden alle verrückt werden!

Weiter gedacht bedeutet das, dass wir Menschen, sobald wir sie sehen, in eine Schublade einsortieren. Mögliche Schubladen, die mir zu mir einfallen: Frau, lesbisch, Multipotentialite, Coach, Blogger, Hundebesitzerin, Kind einer Großfamilie… und sicher noch viele mehr… vermutlich wirst du aber beim ersten Kennenlernen gar nicht all meine Seiten sehen. Vielleicht sortierst du mich dann auch falsch ein. Was ich also sagen will: wenn meine einfachen Blogartikel zu mehreren Kategorien passen, dann kann das komplexe Wesen Mensch erst recht nicht in nur eine Schublade passen. Wie soll das gehen? Aus diesem Blickwinkel heraus ist Schubladendenken also eher ein Fluch!

Ein tolles Video zum Thema Schubladendenken ist von TV Denmark: TV 2 | All That We Share. Es zeigt eindrucksvoll, wieviel wir vermutlich gemeinsam haben, wenn wir aufhören, in Schubladen zu denken. Das ist nicht einfach. Wie gesagt, passiert vieles automatisch, aber wir können uns bewusst machen, dass es das gibt.

Ist mir bewusst, und jetzt?

In meiner Erfahrung ist es am besten einfach auch mal nachzufragen. Ich mag es lieber, wenn mir jemand transparent macht, dass er/sie einen bestimmten Eindruck von mir hat, als dass er/sie daraus Schlüsse zieht und mich entsprechend (falsch) behandelt. Genauso mache ich auch transparent, wenn ich denke, dass ich gerade falsch eingeschätzt werde. Wir sind alles nur Menschen und offene Kommunikation ist aus meiner Sicht der Schlüssel zu einer besseren Gemeinschaft.

Mir hilft auch, darüber zu reflektieren, ob ich jemanden gut behandelt oder irgendwelche vorschnellen Schlüsse gezogen habe. Auch mir ist dabei klar, dass ich nicht objektiv sein kann. Jede:r, die/der das behauptet, lügt. Objektivität gibt es nicht. Ich versuche dem aber möglichst nahe zu kommen, dass ich mir immer wieder bewusst mache, dass mein Gehirn mir möglicherweise bei meiner Wahrnehmung einen Streich spielt. Dann suche ich immer das offene Gespräch, um Fragen zu klären. Selbst über die gleiche Situation kann es ja sehr viele Ansichten geben. (Manche Theoretiker würden nun vermutlich darauf verweisen, dass sowieso jede:r sich seine Welt konstruiert 😉

Deshalb: Kommunikation ist alles. Rede mehr mit deinen Mitmenschen!

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