Mein nicht-so-geradliniger Lebenslauf. Oder: gibt es Coaching für Multipotentialites?

Der TED Talk über „multipotentialites“ hat mich echt zum Nachdenken angeregt. Und mir ist aufgefallen, dass echt vieles darauf ausgelegt ist, dass wir uns irgendwo spezialisieren. Zumindest nach der Schule. In der Schule wird schon noch verlangt, dass wir ein möglichst breites Wissen aufbauen. Ich fand das damals klasse, weil ich mich eh nicht hätte entscheiden können. Aber ich kann inzwischen auch verstehen, dass das für spätere Spezialisten echt eine Herausforderung ist.

(Ich musste meine Leistungskurse echt losen, da ich mich nicht entscheiden konnte… Wenn ich nur damals schon von diesem Blickwinkel gewusst hätte!)

Wie auch immer. Danach muss man sich irgendwie entscheiden. Ich wusste auch nicht was ich studieren sollte. Vielleicht Psychologie? Ah ne, man braucht echt lange, bis man Psychotherapeut ist. Dann Wirtschaftspsychologie? Oder doch lieber Mathematik? Informatik klang doch aber auch irgendwie toll. Mein Glück: es gibt Kombistudiengänge wie Wirtschaftsinformatik. Dann musste ich mich doch irgendwie nicht so richtig entscheiden…

Erst mal war es dann auch ein seeeehr technischer Job. So als Software Beraterin, die auch programmieren musste, hatte ich viel Spaß und habe viel gelernt. Aber halt nur so 3,5 Jahre. Dann reichte es mir und die Passion war vorbei. Dann wollte ich was mit Menschen machen. Glücklicherweise bekam ich die Chance, eine systemische Ausbildung zur Organisationsberaterin zu machen. Zur Psychologie bin ich also auch noch fast gekommen, da ich nun als Coach unterwegs bin. Also bin ich zumindest irgendwie ein Hobbypsychologe…

Ich hatte immer Glück, dass ich Mentor:innen und Coaches hatte, die die
einzelnen Phasen unterstützt haben. Aber eben niemals jemanden
durchgängig. Rückblickend habe ich mich eher negativ mit „ja, mir wird
halt schnell langweilig“ beschrieben. Für mich fühlte sich das immer
schlecht an, dass ich so schnell meine Jobs/Rollen gewechselt habe. Ich
finde, die Gesellschaft vermittelt schon das Bild, dass man eher bei
einer Sache bleiben sollte. Also Arbeitgeber wechseln ist schon okay.
Vielleicht auch mal die Rolle wechseln. Aber sich irgendwie so gar nicht
entscheiden können? Wobei ich mich ja irgendwie schon immer voll und
ganz für eine Sache entschieden habe. Aber eben nur auf Zeit.

Im Gespräch mit einem Bekannten habe ich mal die These in den Raum geworfen, dass wir Deutschen Spezialisten toll finden und so eine Karriere auch fördern. Ich mache das unter anderem daran fest, dass mein Lebenslauf zwar häufig als „interessant“ bezeichnet wird, im Bewerbungsprozess aber nur die „relevante Erfahrung“ gewertet wird. D.h. 3,5 Jahre als Software Beraterin fallen einfach mal weg. Mein Bekannter meinte dann „tja, wir werden als Multipotentialite wohl nie so viel wie Spezialisten verdienen, dafür werden wir aber nie arbeitslos“. Im Zweifel können wir halt einfach schnell etwas Neues lernen 😉

Aber worauf ich eigentlich hinaus will: hätte mir da irgendjemand helfen können? Irgendwie waren alles Zufälle, dass ich von einem zum nächsten gekommen bin… Oder doch nicht? Und dann fragte ich mich heute auch noch so: wie arbeitet eigentlich so ein Life Coach? Davon gibt es ja immer mehr und haben die alle im Blick, dass es Menschen gibt, die nicht die eine Passion haben? Als Coach muss ich ja ergebnisoffen sein und Hilfe zur Selbsthilfe geben (zumindest so mein Verständnis), aber geht das, wenn ich vielleicht das Weltbild habe, dass man nur genug Suchen muss, bis man seine Passion findet?

Ich habe zu Mulitpotentialite Coaching ein wenig recherchiert und zumindest im deutschsprachigen Raum nichts dazu gefunden. Auf der Seite von Emilie Wapnick Puttylike gibt es einiges an Material und man kann sich einer Community anschließen, aber eben auf englisch. Da es sicher auch in Deutschland einige Multipotentialites gibt, frage ich mich, warum das hier kein Thema ist. Ich denke, das Wichtige ist, dass man sich treu bleibt und sich klar macht, dass es okay ist, nicht DIE Passion zu haben. Natürlich bedeutet es auch damit zu leben, dass Famile und Freunde sowas sagen wie: „willst du nicht endlich mal erwachsen werden und dich entscheiden?“ Ein echter Multipotentialite kann das aber eben einfach nicht.

Wie könnte man also Multipotentialites in Zukunft helfen? Wie sieht da ein Coaching aus? Geht das überhaupt? Ich werde hier hin und wieder Dinge posten, die mir geholfen haben, um meinem Weg treu zu bleiben. Also, sei gespannt 😉

Wenn du mit mir darüber sprechen willst, dann melde dich gerne!

Schreibe einen Kommentar