Jungs spielen Fußball. Mädchen tanzen.

Passen diese Sätze für dich? Oder würdest du gerne widersprechen? Oder ein anderer beliebter Test: wenn ich von „Ärzten“ schreibe, denkst du dann an Männer oder Frauen? Oder an eine gemischte Gruppe? Jetzt fragst du dich vielleicht, was das alles hier soll. Das Thema in diesem Beitrag sind die Geschlechterrollen und welche Zuschreibungen wir bei den Geschlechtern machen, zu englisch Gender. Und die große Frage: angeboren oder anerzogen?

Früher habe ich mir da ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken dazu gemacht. Ich fand Mathematik und Informatik toll, obwohl das ja eher so eine „Jungssache“ ist. Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert, obwohl da die Frauenquote auch nicht so der Hit ist. Mein Erscheinungsbild war auch immer eher alles andere als weiblich. Also, warum darüber nachdenken? Ich habe einfach gemacht. Und ich bin auch froh, dass meine Eltern mir das ermöglicht haben. All meine Geschwister und ich konnten immer dem nachgehen, was uns Spaß gemacht hat.

Mein Blick änderte sich etwas, als ich mich bei einem frühern Arbeitgeber für Diversity, speziell LGBT*IQ, engagiert habe. Da hatte ich auch viel mit dem internen Frauennetzwerk zu tun und da kamen dann schon eher solche Gedanken auf. Ist nicht schnell eine Frau, die sich durchsetzt, die Meinung sagt und genau weiß, was sie will „hysterisch“? Wenn sie noch kurze Haare hat und sich burschikos kleidet, dann muss das doch eine „Kampflesbe“ sein, oder? Oder umgekehrt: ein Mann, der auf sein äußeres achtet, muss doch schwul sein, oder? Erst recht, wenn er echt gut in Kommunikation und mit Menschen ist.

Alles Gender, oder was?

So, und dann kam da diese Reportage von zdfneo: No more Boys and Girls. Die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes geht in eine Grundschulklasse und macht unterschiedliche Übungen mit den 7-Jährigen. Sie spricht außerdem mit Experten wie Hirn- oder Genderforscher:innen. Was mich echt getroffen hat, war, dass wohl ein Mädchen gesagt hat: „ich wusste gar nicht, dass Frauen Flugzeuge fliegen können.“ Wie krass ist das denn bitte? Die meisten hatten auch schon ein sehr klares Bild darüber, welche Berufe etwas für Männer und welche für Frauen sind. Aber nicht nur das: auch Spielzeug kann ganz klar zugeordnet werden und es kostet Überwindung, mit dem „falschen“ Spielzeug zu spielen.

Woher kommt das nun also?

Ich will nicht bestreiten, dass es hier sicher unterschiedliche Meinungen geben mag. Die Aussagen in der Reportage sind aber klar: das Gehirn (und auch der Körperbau) sind bis zur Pubertät quasi identisch. Es gibt nicht so etwas wie ein „Fußball-Gen“. Dass Jungs besser in Fußball sind (zumindest in Deutschland), liegt einfach daran, dass sie es häufiger üben. Genauso verhält es sich mit dem räumlichen Denken: Jungs kriegen tendenziell eher Spielzeug, welches das fördert. Mädchen eben nicht. Und wer das lange übt, ist irgendwann auch besser. So kommt es dann, dass wenn man Erwachsene testet, Männer besser im räumlichen Denken sind. (mehr zu den Unterschieden bei Erwachsenen findet ihr im Folgeartikel: Frauen können nicht einparken. Männer sind nicht einfühlsam.)

Aber bitte nicht falsch verstehen: natürlich gibt es da individuelle (aber eben nicht geschlechterspezifische!) Unterschiede. Nicht jeder wird der nächste Einstein mit genug Übung.

Worum geht es mir nun?

Einige Kriker der „Gender Bewegung“ behaupten ja, es ginge darum, dass es einfach nur ein Hype ist. Dass am Ende Jungs und Mädchen nicht mehr wissen, ob sie Junge oder Mädchen sind. Das ist aus meiner Sicht totaler Schwachsinn. Mit Puppenspielen macht einen Jungen ganz sicher auch nicht schwul. So bin ich sicher auch nicht lesbisch, weil ich mit meinen Brüdern auf dem Bolzplatz war.

Nur, wenn wir eine offene Gesellschaft haben wollen, in der sich jede:r frei entfalten kann, dann müssen wir bei den Kindern anfangen. Kinder müssen sich ausprobieren dürfen, das gehört zum Platz-in-der-Welt-finden dazu. Was soll auch daran so schlimm sein, dass ein Junge mal ein Kleid trägt? Wollen wir wirklich, dass sich dieser Junge dann schämt und sich nicht mehr traut zu sagen, was er möchte? Oder wollen wir, dass Mädchen denken, Frauen können keine Flugzeuge fliegen?

Wie siehst du das? Schreib‘ mir gerne!

Schreibe einen Kommentar