„Ich mach‘ die Welt, wie sie mir gefällt“ oder: der Konstruktivismus

Du hast es vielleicht erkannt. Das ist ein Vers aus dem Titelsong von Pippi Langstrumpf. Wenn du jetzt denkst, das ist einfach nur ein Kinderlied, dann liegst du falsch. Da ist tatsächlich etwas Wahres dran. Falls du nun aber auf die Idee kommst, dass dir das ganz sicher nicht so geht, weil du dich immer an die Fakten hältst, dann liegst du leider falsch. Jede:r von uns hat seine:ihre eigene Welt.

Manche würden sagen, wir konstruieren unsere eigene Welt. Heute stelle ich dir den „Konstruktivismus“ vor. Eigentlich ist das ein Sammelbegriff für unterschiedliche Strömungen im Bereich der Erkenntnistheorie, die aus dem Bereich der Philosophie kommt. Auf die Unterschiede gehe ich hier aber nicht ein, ich möchte nur das Grundprinzip vorstellen, und warum das hilfreich ist.

Wir konstruieren uns unsere Welt – hä?

Diesen Gedanken hast du nun vielleicht. Vereinfacht ist die Aussage des Konstruktivismus: DIE Realität oder DIE Wahrheit gibt es nicht. Wie kommt das?

  1. Nun ja, wir nehmen zunächst alle unsere Umwelt wahr: also, das, was wir sehen, hören, riechen, schmecken… und genau da ergeben sich schon die ersten Unterschiede. Niemand kann wissen, ob wir alle genau das gleiche rot sehen. Oder einen Ton gleich hören usw.
  2. Dann kommt unser Gehirn ins Spiel. Dieses filtert, ob wir wollen oder nicht, die Information (in der Psychologie reden wir von kognitiven Verzerrungen, z.B. der Confirmation Bias). Es priorisiert sie, zieht Schlüsse, verknüpft Informationen usw. Das, was wir also scheinbar objektiv wahrnehmen, wird durch das Gehirn verändert. Unser ganzes Weltbild, Kultur, Sozialisierung hat Einfluss darauf, was uns unser Gehirn in unserem Bewusstsein präsentiert.
  3. In unserem Bewusstsein taucht also das auf, was unser Gehirn zu unserer Realität gemacht hat. Wir (bzw. unser Gehirn) hat also eine Realität konstruiert.

Und was bedeutet das jetzt?

Vielleicht erkennst du bereits, warum es hilfreich ist, diese Theorie zu kennen. Deine Realität ist ganz sicher anders als meine. Vielleicht haben wir Schnittmengen, vielleicht aber auch nicht. Das heißt aber nicht, dass jemand von uns beiden Unrecht hat. Wir haben beide Recht in unserer eigenen Realität, und da es DIE eine Realität nicht gibt, ist es in vielen Fällen mühselig, darüber zu diskutieren.

Wie am Anfang bereits geschrieben, dieser Ansatz kommt aus der Philosophie. Vielleicht verleitet es dich dazu, das nicht so ernstzunehmen. Allerdings belegen andere Disziplinen wie die Psychologie, dass unser Gehirn Informationen filtert und Fakten verändert. Schau‘ dazu am besten folgende Artikel mal an:

Wenn du Fragen hast, oder einfach mal darüber diskutieren magst, dann melde dich doch gerne bei mir.

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