„Ich brauch‘ mal ’ne Pause“ – die Sache mit dem Stress…

Disclaimer: ich bin in keinster Weise dazu befähigt, professionelle Ratschläge bezüglich Stress zu geben. Das alles hier ist meine subjektive Wahrnehmung und Interpretation. Bitte suche dir professionelle Hilfe, wenn du zu viel Stress hast.

Vielleicht hast du das auch schon mal gedacht. Mir ging es zumindest letztens so, weswegen ich auch eine kleine Pause von diesem Blog hier gemacht habe. Hauskauf, Jobsuche, hyperaktiver Hund… das war irgendwie zu viel für mich. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es zu viel ist. So eine Überlastung kannte ich nämlich gar nicht von mir, deswegen war ich sehr verwundert über mich selbst. Also, habe ich viel über mich nachgedacht und auch ein bisschen im Netz über Stress nachgeforscht.

Stress ist nicht der Feind

Jetzt denkst du sicher: „hä?“ Stress ist doch ungesund! Ja, das hört man immer, doch dann habe ich folgenden TED Talk gefunden: Kelly McGonigal: How to make stress your friend (es gibt auch einen deutschen Transkript). Kelly, eine Gesundheitspsychologin, fängt mit einer Beichte an. Sie hat früher in ihrer Beratung Stress auch immer zum Feind gemacht, weil sie erzählte, dass Stress krank macht. Sie führt dann weiter aus, dass eine Studie ihre Meinung geändert hat. In Kürze: es kommt darauf an, wie ich über Stress denke! Also, ob ich denke, dass Stress gesundheitsschädlich ist oder eben nicht. Wenn ich eine positive Einstellung habe, dann schadet Stress mir auch nicht.

Wenn ich mir sogar denke, dass die Stressreaktion (z.B. klopfendes Herz, schnelleres Atmen) eher hilfreich ist, weil sie mich leistungsfähiger macht, dann verändert sich die körperliche Stressreaktion. Die Adern ziehen sich nicht mehr zusammen und das ist gut. Auf Dauer verengte Adern wären nämlich echt gesundheitsschädlich und aus diesem Grund gilt chronischer Stress auch als schädlich. Aber wie gesagt, wenn ich positiv über Stress denke, gibt es diese körperliche Reaktion gar nicht!

Weitere Erkenntnis: wenn wir Stress haben, versucht unser Körper uns durch ein bestimmtes Hormon eigentlich dazu zu animieren, bei anderen Unterstützung zu suchen. Und wenn wir das auch tun, dann wird mehr von diesem Hormon ausgeschüttet. Das Tolle daran? Dieses Hormon schützt unser Herz-Kreislauf-System! Das heißt, Stress wird noch gesünder, wenn wir nach Unterstützung fragen.

Zusammengefasst: Stress ist nicht per se schlecht, sondern es kommt auf unsere Haltung an. Außerdem sollten wir Hilfe suchen und mit anderen sprechen, wenn wir gestresst sind.

Das Mittel gegen Burnout ist nicht Selbstfürsorge

Dank Kellys TED Talk bin ich auf einen weiteren gestoßen: Emily and Amelia Nagoski: The cure for burnout (hint: it isn’t self-care). Dieser Talk ist ein bisschen konkreter und gibt handfestere Tipps, wie man mit Stress umgehen kann. Die beiden Schwestern erklären, dass unser „Fehler“ ist, dass wir nicht bedenken, dass die körperliche Stressreaktion eigentlich ein Kreislauf ist. Das erklären sie anhand von einem Beispiel:

  1. wir sehen eine Gefahr, z.B. einen Löwen und die Stressreaktion beginnt
  2. wir rennen weg, also unser Körper tut aktiv etwas
  3. wir retten uns ins Dorf, feiern mit den anderen Bewohner:innen unser Entkommen und unser Körper entspannt sich

Der Löwe ist der sogenannte Stressor, mit dem wir klarkommen müssen. Heutzutage ist das wohl eher der Arbeitsweg, der Job, die Kinder und vieles mehr. Das Problem an der Sache: wir vergessen den letzten Schritt. Wir sagen unserem Körper nicht, dass wir es geschafft haben und die Stressreaktion beendet werden können.

Um den Kreislauf zu beenden, können wir folgendes tun: Sport (Jumping Jacks reichen auch ;-)), mal kurz um den Block gehen oder auch mal kurz alle Muskeln anspannen, Luft anhalten und dann entspannen. Wir müssen uns unser Form von „ja, wir haben es geschafft, wir sind sicher im Dorf angekommen“ finden und so unserem Körper zur Entspannung verhelfen.

Zuguterletzt sprechen auch sie an, dass das wirklich Wichtige ist, dass man umgeben von Menschen ist, die einen lieben und unterstützen. Deswegen hilft gegen Burnout eben nicht eigene Fürsorge, sondern nur die durch andere!

Was habe ich daraus nun gelernt?

Ich habe eigentlich früher schon so salopp gesagt „Stress ist etwas, was in meinem Kopf passiert.“ Damit meinte ich im Grunde genau das, was Kelly festgestellt hat. Und ich habe genau das, aus den Augen verloren. Ich habe immerzu gedacht, dass die vielen Aufgaben mich doch stressen müssen. Und tada: ich war gestresst (im negativen Sinne). Ich versuche also, wieder zu meiner alten Haltung zurückzufinden.

Desweitern versuche ich, Emilys und Amelias Tipps zu folgen und meinem Körper bewusster zu sagen, dass eine Stresssituation vorbei ist. Ich bin zwar noch nicht so konsequent damit, aber es hilft echt 😉

Am Ende kann ich nur sagen: redet darüber, wenn euch etwas zu viel ist. Und bitte scheut euch nicht, professionelle Hilfe zu holen!

Wie sind eure Erfahrungen mit Stress? Was haltet ihr von den beiden TED Talks?

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