Gibt es die geniale Idee unter der Dusche?

Das klingt toll, oder? Wir stehen morgens unter der Dusche und plötzlich haben wir die geniale Idee. Hinzukommt, dass wir gerne an den/die einsame:n Erfinder:in glauben, denn wir lieben Held:innen. Denk‘ doch mal an deine letzte Idee zurück. Kommt es dir auch so vor, als hätte es diesen einen Moment gegeben? Als wärst du ganz allein darauf gekommen? Ich gebe zu, dass sich das schon toll anfühlt.

Was sagt die Forschung dazu?

Steve Johnson ist dem mal auf den Grund gegangen, ob es diesen einen Moment gibt, und spricht in seinem TED Talk Where good ideas come from darüber. Das Ergebnis vorab: nein, so entstehen Ideen nicht. Ideen reifen manchmal Wochen, Monate oder sogar Jahre. Sie entstehen durch Gespräche mit anderen, die andere Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven mit reinbringen. Wie kommt er darauf?

Ein Beispiel: Darwin schreibt selbst in seiner Autobiografie, dass er diesen genialen Moment hatte, in dem er dann auf die Evolutionstheorie gekommen ist. Als man seine ganzen Mitschriften untersuchte, stellte man aber fest, dass die Idee davon schon Monate vorher auftauchte. Er war vorher einfach nur noch nicht fähig gewesen, diesen Gedanken richtig in Worte zu fassen.

Was bedeutet das nun für uns?

Johnson erinnert an die Tradition der „Coffee houses“ , in denen unterschiedliche Personen zusammenkamen und ihre Ideen austauschten. Dieser informelle Austausch sorgt dafür, dass „zwei halbe Ideen“ von zwei Personen am Ende eine geniale Idee wird, die noch mehr als die Summe ihrer Einzelteile ist.

Daraus folgt: wenn wir innovativ sein wollen, müssen wir (in Unternehmen) diesen informellen Austausch ermöglichen. Wir müssen Menschen zusammenbringen, die gemeinsam ihren Gedanken freien Lauf lassen können. Ein einfaches „wir müssen innovativer werden“ hilft hier nicht. Eine Umgestaltung des Büros im Sinne des „New Work“ ist sicher oft ein guter Schritt, aber nicht Kern der Lösung. Ideen brauchen Zeit und die müssen wir den Menschen geben. Sie brauchen Zeit zum Denken, zum Austausch und Raum zum Probieren.

Also einfach Chaos, oder was?

Nein, so ist das dann auch wieder nicht gemeint 😉 Zumindest nicht ganz. Ein bisschen muss man sich vielleicht schon auf Zufälle verlassen. Wenn es aber eine konkrete Herausforderung gibt, dann gibt es durchaus Ansätze, wie man den Ideenfindungsprozess gut gestalten kann. Die bekannteste Vorgehensweise ist sicher Design Thinking. In diesem Bereich gilt IDEO als Vordenker, die es zwar nicht erfunden haben, aber bekannt dafür wurden, dass sie das praktizieren und damit bei Produktentwicklungen und Problemlösungen aller Art helfen. Legendär ist das Video darüber, wie sie einen neuen Einkaufswagen entwickeln: ABC Nightline – IDEO Shopping Cart.

Wenn man nach Infos über Design Thinking sucht, findet man unendlich viele Modelle und Beschreibungen, was das nun genau ist und wie der Prozess denn nun aussieht. Alle haben gemeinsam:

  • es geht mehr oder weniger um ein Mindset, als nur um Prozessschritte
  • der Mensch mit seinem Bedürfnis/Problem steht im Mittelpunkt (häufig wird der Mensch auch erst mal intensiv beobachtet)
  • es gibt eine Mischung aus divergenten (aufmachen für viel Information) und konvergenten (fokussieren) Schritten
  • es gibt drei Eigenschaften, die für eine gute Lösung in Balance sein müssen: wünschenswert, machbar, wirtschaftlich
  • man braucht ein cross-funktionales Team, um möglichst viele unterschiedliche Perspektiven zu haben

Ich persönlich bin ein großer Fan von Design Thinking. In 2-Tages-Workshops habe ich mit Teams schon tolle Ergebnisse erzielt. Wichtig ist hier nur, dass die Fragestellung vorher schon klar umrissen ist, aber nicht zu klein, damit noch genug Lösungsraum da ist. Meine Erfahrung zeigt leider nur, dass so ein Design Thinking Workshop schnell mal angesetzt ist. Das Schwierige ist dann eher, dass Ideen auch umsetzt werden. Aber das ist ein anderes Thema 😉

Wie seht ihr das? Stimmt ihr Johnson zu? Habt ihr Design Thinking schon mal ausprobiert?

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