Der Pygmalion Effekt und wie er uns austrickst

Vielleicht ist es dir auch schon mal so ergangen: du siehst eine Person und denkst sofort: „boah, der/die hat es voll drauf!“ oder aber „der/die ist doch voll die Niete“. Dann musst du einige Zeit mit der Person zusammenarbeiten und was passiert? Genau das, was du erwartet hast. Der Person ist voll der Überflieger bzw. versagt total. Was könnte hier passiert sein?

Der Pygmalion Effekt

Es kann sein, dass du in diesem Fall einer sogenannten (unbewussten) kognitiven Verzerrung auf den Leim gegangen bist. Vereinfacht könnte man den Pygmalion Effekt auch eine sich-selbst-erfüllende Prophezeiung nennen. Wenn wir uns das Beispiel genauer anschauen, dann ist vielleicht das passiert:

  1.  Vielleicht hat die betroffene Person dich bewusst oder unbewusst an jemanden erinnert, der besonders gut (oder eben besonders schlecht) war. Du warst also insgeheim von Anfang an voreingenommen.
  2. Das hat dafür gesorgt, dass du je nach deiner Vorstellung die Person auch unterschiedlich behandelt hast. Die „leistungsstarke“ Person wirst du gefördert haben und Fehler sind okay und zum Lernen da. Die „leistungsschwache“ Person wirst du eher weniger beachtet haben und Fehler haben dich richtig geärgert.
  3. Dein Verhalten hatte dann auch Auswirkung auf die Person. Jemand, der gefördert wird, fühlt sich gut und strengt sich noch mehr an. Das Selbstbewusstsein wächst. Die andere Person fühlt sich dagegen vernachlässigt und wird demotiviert. Das Selbstbewusstsein sinkt.
  4. Und nun beobachtest du das Verhalten: du siehst, wie die Person aufblüht und denkst: „ich wusste doch, dass er/sie ein High Performer ist.“ Im anderen Fall wirst du denken: „war doch klar, dass er/sie das nicht kann…“

Merkst du, was passiert ist? Deine Einschätzung hat dein Verhalten beeinflusst, das wiederum das Selbstbild der anderen Person. Das hat Auswirkung auf ihr Verhalten, was du beobachtest und dich dann in deiner Einschätzung bestärkt.

Ich kann euch dazu das Video von Sprouts Deutschland empfehlen: Der Pygmalion Effekt. Das ist schön visualisiert und mit noch bisschen Historie dazu.

So, was bedeutet das jetzt für mich im Alltag?

Zunächst einmal: Für diese Vorgänge im Gehirn und die Einsortierung von Menschen können wir nichts. Das passiert automatisch: jede:r wird sofort in eine Schublade gesteckt, da das Komplexität reduziert und es für uns so einfacher macht. Letztlich dürfen wir uns auch bewusst sein, dass das eine Theorie ist und es nicht immer so ablaufen muss.

Dennoch muss uns klar sein (sofern wir an diese Theorie glauben), dass wir aufgrunddessen möglicherweise Menschen ungerecht behandeln und diese ihr Potenzial nicht entfalten können. Aufgrund des Pygmalion Effekts kann eben ein Kreislauf entstehen, wodurch deine Einschätzung immer mehr bestärkt wird und das Selbstbild deines Gegenübers immer schlechter wird.

Wir können, wie gesagt, grundsätzlich nichts dagegen tun, dass das passiert. Was wir aber tun können ist: immer wieder über uns, unsere Einschätzung und unser Verhalten reflektieren. Nur so können wir erkennen, ob wir in diese Falle getappt sind.

Wie sieht das bei dir aus? Ist dir das schon passiert?

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