Der Pygmalion Effekt: Bedeutung für Führungspersonen

Kleine Erinnerung: in Der Pygmalion Effekt und wie er uns austrickst habe ich beschrieben, was der Pygmalion Effekt ist und wie er wirkt. Vereinfacht gesagt geht es hier um eine sich-selbst-erfüllende Prophezeiung. Nun stellt sich die Frage: was bedeutet das nun? Wie soll man als Führungsperson damit umgehen? Erst mal vorab: grundsätzlich ist das nichts Schlimmes. Man kann diesen Effekt auch für sich nutzen. Man muss nur wissen, wie 😉

Pygmalion Effekt: richtig genutzt

Zunächst einmal darfst du dir bewusst werden, dass es diesen Effekt gibt. Wenn dir das klar ist, dann führe dir nochmal vor Augen: die Theorie besagt, dass positive Erwartungen zu gut Leistungen führen; negative Erwartungen zu schlechten. Daraus können wir folgern: du als Führungsperson solltest mit einem positiven Menschenbild an deine Kolleg:innen herantreten. Wenn in deiner Verantwortung liegt, Ziele zu festzulegen, dann solltest du diese mit deinen Kolleg:innen definieren und darauf achten, dass sie ambitioniert aber erreichbar sind. Das zeigt ihnen: du glaubst an sie und ihre Leistungsfähigkeit.

Fällt dir das am Anfang schwer? Es ist „relativ leicht“ sein eigenes Gehirn umzuprogrammieren. Sag‘ dir einfach immer wieder, dass du deinen Kolleg:innen vertrauen kannst. Irgendwann glaubst du auch daran 😉 und du wirst merken, dass sich deine positive Haltung auf dein Verhalten auswirkt. Und dein positives Verhalten wird das Selbstvertrauen deiner Kolleg:innen stärken und die Leistungen werden besser.

Nur damit das jetzt hier nicht falsch verstanden wird: nur der Glaube reicht natürlich nicht. Die Aufgaben müssen zu den Kompetenzen der Mitarbeitenden passen. Und Fehler (oder besser gesagt Irrtümer) können trotzdem passieren. Das ist aber eben kein Zeichen schlechter Leistung, sondern einfach nur dafür, dass wir alle Menschen sind und uns manchmal einfach irren 😉

Was tun, wenn ich eher die negative Seite sehe?

Hin und wieder bemerken wir sicher auch die Kehrseite davon. Die Führungsperson traut mir nicht, mein Selbstbild wird schlechter und damit auch meiner Leistungen. Vielleicht hast du sowas auch in deinem Team festgestellt. Mein Tipp: mach‘ deine Wahrnehmung transparent. Aber bitte ohne Vorwürfe 😉 diese Vorgänge passieren automatisch bei uns im Kopf und niemand wird sich bewusst denken „von dem/der denke ich jetzt schlecht, damit auch die Leistungen schlecht sind“. Du kannst also besser einfach aufzeigen, welche Situation du beobachtet hast, wie du sie auch im Hinblick auf die Theorie bewertest, und was du dir für die Zukunft wünschst.

Wichtig ist immer zuerst, dass man sich der Situation bewusst wird. Nicht umsonst spricht man hier von unbewussten, kognitiven Verzerrungen (eng. unconcious bias). Erwarte also bitte nicht, dass von heute auf morgen alles besser wird. Jeder von uns wird sicher immer wieder in solche psychologischen Fallen tappen. Wir können aber daraus lernen und gemeinsam überlegen, wie wir nicht in diese Falle tappen, und ggf. Vereinbarungen dafür treffen. Und wir dürfen offen dafür werden, wenn uns jemand darauf aufmerksam macht. (wer mehr wissen will, wie man diese Verzerrungen loswird: Google re:Work – Unbiasing)

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