„Das kann Frau doch eh nicht“ oder: der Gender Bias

Hast du sowas schon mal gedacht (wahlweise ersetze Frau durch Mann)? Vielleicht hast du auch über dich selbst gedacht, dass du das nicht kannst, weil du weiblich (männlich) bist. Frauen (Männer) können bestimmte Sachen halt nicht, nicht wahr? In meinem Artikel Schubladendenken: Fluch oder Segen? habe ich schon darüber berichtet, dass wir andere (und auch uns selbst) in Schubladen einteilen. Mit jeder Schublade verbinden wir dann eben auch bestimmte Verhaltensweisen und Fähigkeiten. In Frauen können nicht einparken. Männer sind nicht einfühlsam. haben wir gelernt, dass es tatsächlich Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, allerdings sind diese gerade durch die Stereotypen eher anerzogen als wirklich genetisch bedingt.

In diesem Artikel gehe ich nun genauer darauf ein, welche Konsequenzen diese Stereotypen und Rollenbilder in unserem Kopf auf unser Verhalten haben. Das nennt man auch kognitive Verzerrungen und bezogen auf diesen Thema spricht man auch vom Gender Bias.

Beispiele für den Gender Bias

Als ich nach Gender Bias gesucht habe, habe ich immer wieder von ähnlichen Versuchen gelesen: es wurden fiktive Bewerbungen verschickt, alles identisch bis auf der Name. Dieser war einmal männlich und einmal weiblich. In allen Studien gab es das gleiche Ergbnis: die männliche Person wurde deutlich häufiger eingestellt. Und diese bekam auch noch mehr Geld angeboten! Der gern genutzte Ausspruch „wir stellen die besten qualifzierteste Person ein“ kann also nicht ganz stimmen… Das vielleicht Überraschende dabei: Männer und Frauen haben gleichermaßen diese Entscheidungen getroffen. Frauen haben Frauen also ebenso diskriminiert. Es ist also absolut nicht berechtigt, wenn nur Männern unterstellt wird, dass sie Frauen bei solchen Einstellungen benachteiligen.

Die Uni Konstanz hat mal einige Studienergebnisse zusammengetragen: Gender Bias in der Wissenschaft. Für mich erschreckend: unterschiedliche Studien zeigen, dass Frauen konsequent schlechter als die männlichen Kollegen bewertet werden. Die Sprache in Empfehlungsschreiben unterscheidet sich dabei total: „Empfehlungsschreiben für Frauen [haben] einen signifikant höheren Anteil an ablehnender Sprache, z.B. negative und unerklärte Aussagen, schwaches Lob und Zweifel (Trix & Psenka 2003)„. Anderes Ergebnis: Studien von Frauenteams werden deutlich seltener zitiert. Daraus lässt sich für mich schließen: insgesamt werden Frauen als nicht so kompetent wahrgenommen, wie Männer. Diese Ergebnisse lassen sich meiner Meinung nach auf alle männdominierten Berufe übertragen.

Die Benachteiligung geht sicher auch andersherum. Männer haben es vermutlich schwer in Berufen, die eher Frauen zugeordnet werden, wie Pflege und Kinderbetreuung. Auch werden sicher oft noch Väter komisch beäugt, die Zuhause bleiben, damit die Frau Karriere machen kann.

Ich selbst ertappe mich ja auch dabei, dass ich Männern ein gewisses handwerkliches Geschick zuschreibe. Frauen sind dafür eher gut im Dekorieren. Und ich habe dieses Bild im Kopf, OBWOHL es bei mir genau andersherum ist: ich bin eher handwerklich begabt und im Dekorieren eine Niete. Daran siehst du, wie fest diese Bilder im Kopf sein können, obwohl man selbst nicht rein passt.

Konsequenzen vom Gender Bias

Die Vorstellungen in unserem Kopf sorgen also dafür, dass wir entsprechendes Verhalten zeigen. (wir kennen das schon vom Pygmalion Effekt) Wir bevorzugen (oder benachteiligen) Menschen also aufgrund ihres Geschlechts, weil wir mit dem Geschlecht bestimmte Fähigkeiten fest verknüpfen. Die individuellen Fähigkeiten der Person gehen dann unter oder werden zumindest nicht ausreichend beachtet.

Wichtig aber auch hier: diese kognitiven Verzerrungen oder unconcious bias laufen unbewusst ab. Wir können nichts dafür. Das sind Abkürzungen in unserem Gehirn, da wir sonst mit der Fülle der Informationen nicht umgehen könnten. Nichtsdestotrotz bedeutet der Gender Bias, dass wir unter Umständen Mitmenschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren.

Der Gender Bias hat außerdem zur Folge, dass wir irritiert sind, wenn Menschen eben nicht entsprechend unserer Rollenvorstellungen handeln. So wird dasselbe Verhalten beim Mann als „durchsetzungsstark“ und bei der Frau eher als „dominant“ im negativen Sinne bezeichnet.

Was wir dagegen tun können

Leider gibt es wie so oft kein einfaches Mittel dagegen. Meine Tipps sind:

  1. sich über Gender Bias (und andere informieren)
  2. über sich selbst reflektieren
  3. mit anderen über Vorurteile sprechen
  4. andere auf Gender Bias aufmerksam machen

Umso mehr wir darüber reden, umso bewusster werden uns solche kognitiven Verzerrungen. Ganz abschalten können wir sie aber nie.

Du magst darüber reden? Schreib‘ mir einfach oder hinterlasse einen Kommentar.

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